Flensburger Hefte

Jugend ohne Zukunft?

ISBN: 978-3-935679-40-4
Einband: kartoniert
Informationen: 224 Seiten
Inhaltsverzeichnis: Download als PDF
Preis: 15,00 €

Kurzbeschreibung

Mit Beiträgen von: Michael Alberts, Wolfgang Büscher, Friedhelm Garbe, Thies Hagge, Rüdiger Iwan, Dr. Christian Pfeiffer, Thomas Rüth, Johannes Wagner, Wolfgang Weirauch; 67 sw. Abb.

 

 

2,5 Millionen Kinder leben in Deutschland in Armut. Viele von ihnen wachsen ohne Fürsorge ihrer Eltern auf, werden mit sexueller Gewalt konfrontiert, bekommen keinerlei Werte und Liebe vermittelt und verwahrlosen.

Immer mehr Menschen lassen sich fallen, geben sich vollständig auf und entwickeln eine absolute Gleichgültigkeit in bezug auf ihre Werte, die Erziehung ihrer Kinder und ihre Sexualität. Das tägliche Konsumieren von Pornos ist bei immer mehr Menschen genauso normal wie die Pornosprache der Jugendlichen. Hier rollt eine Welle auf unsere Gesellschaft zu, deren Wucht Teile dieses Landes erschüttern könnte.

Lesen Sie die bewegenden Interviews über die neue Armut in Deutschland, über Verwahrlosungserscheinungen im Sexuellen und über die Wirkung von Medienkonsum und Killerspielen auf die Empathie und die Schulleistungen der Jugendlichen sowie zwei Interviews über die Waldorfpädagogik, in denen gezeigt werden soll, wie man die heutigen Kinder mit Liebe und Engagement erziehen und ihnen einen Sinn im Leben vermitteln kann.

 

 

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Rezension in: Erziehungskunst 5/08

Rezensent: Thomas Jachmann

Im Juni 2007 brachte der »Stern« einen Artikel über die sexuelle Verwahrlosung der Jugend in Deutschland. Die Recherche von Walter Wüllenweber mit dem bezeichnenden Titel »Voll Porno« gibt einen erschütternden Einblick in das Leben vieler Jugendlicher – nicht nur aus den so genannten bildungsfernen Schichten –, das durch zunehmende Armut und durch eine tiefgreifende soziale und zunehmende sexuelle Verwahrlosung gekennzeichnet ist.

In zwei Beiträgen und fünf Interviews, die Wolfgang Weirauch führte, widmet sich das Flensburger Heft Nr. 98 diesem alarmierenden Thema. Die Artikel von Michael Alberts und Johannes Michael Wagner beschreiben vor allem die Not, in die viele Familien durch gesellschaftlichen Leistungsdruck und durch Streß, hervorgerufen durch eigene überspannte Anforderungen an sich selbst, geraten sind.

Thomas Rüth beispielsweise, in der ambulanten Jugendhilfe in Essen tätig, zeigt, daß die zunehmende sexuelle Verwahrlosung bei Kindern und Jugendlichen durch die Möglichkeit, sich im Internet ungehemmt Porno- Internet-Kontakte zu verschaffen, weit über den Kreis der bildungsfernen Schichten hinausgeht. Rüth sieht eine Ursache für die zunehmende soziale Verwahrlosung der Jugendlichen in einer allgemeinen familiären Verwahrlosung.

Alle Gesprächspartner von Wolfgang Weirauch zeigen sich als kompetente Berichterstatter einer authentisch mitgelebten und miterlittenen Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen. Michael Alberts zeigt z.B., daß ein von der heutigen Gesellschaft verinnerlichtes, lebensfeindliches und unmenschliches Leistungsprinzip als permanenter Streßfaktor bis tief in die familiären Verhältnisse hineinwirkt und dort, durch alle Gesellschaftsschichten hindurch, Angst, Mißtrauen und den Zwang zur Anpassung bewirkt. Christian Pfeiffer belegt mit wissenschaftlichen Untersuchungen, daß die ständige Verfügbarkeit des Internets mit dem Überangebot an Pornographie und so genannten »Killerspielen« unter den Jugendlichen in den letzten 20 Jahren zu einem immensen Werteverlust und zu einer steigenden Gewaltbereitschaft geführt hat.

Nach der Lektüre dieser Interviews wird dem aufgerüttelten Leser klar, daß unsere ganze Gesellschaft und jeder Einzelne dazu aufgerufen ist, zu den genannten Verhältnissen Stellung zu nehmen. So charakterisiert mit kurzen und eindrucksvollen Worten Friedhelm Garbe die Situation: Der Sinn des Lebens für Kinder und Jugendliche heute reduziert sich in sehr vielen Fällen nur noch auf die Formel SAART, was bedeuten soll: Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod. »Und SAART beginnt für die Kinder mit der Einschulung«, so hatte es der 18jährige Amokschütze von Emsdetten in seinem Abschiedsbrief geschrieben.

Es stellt sich angesichts dieser Situation für Wolfgang Weirauch die Frage: Wie kann Waldorfpädagogik helfen? Hiervon ausgehend entwirft Friedhelm Garbe einen Anforderungskatalog für moderne Pädagogen, der sie in die Lage versetzen könnte, den immensen Herausforderungen, die unsere Gegenwart an den Lehrer stellt, entsprechend zu begegnen.

Dieser Band der Flensburger Hefte ist deshalb so lesenswert, weil in ihm erfahrene Fachleute zu Wort kommen, die aus dem Brennpunkt sozialen Geschehens berichten können und dabei gravierende Krankheitssymptome unserer Gesellschaft bloßlegen, die sich an den schwächsten, wehrlosesten und hilfsbedürftigsten Gliedern unserer Gesellschaft, den Kindern und Jugendlichen, zeigen. Eltern, Erzieher und Lehrer werden mit einer fatalen Wirklichkeit konfrontiert, die wir unbedingt zur Kenntnis nehmen müssen, und die uns alle zur tatkräftigen Mitverantwortung aufruft.


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